Wildcampen am Riffelsee, was wirklich erlaubt ist

Ganz direkt: Es ist nicht erlaubt, und die Bussen sind hoch. Hier steht das Gesetz, die echten Kosten und wie du das Morgenlicht trotzdem ohne Zelt erwischst.

Das Matterhorn spiegelt sich im Riffelsee, Sonnenstrahlen brechen durch die Wolken.
Riffelsee, Kanton Wallis, 2.757 Meter. Ein geschützter See, an dem Campieren verboten ist. Foto · Leon Helg.

Die Regel: Artikel 43

Grundlage für das Verbot ist das Polizeireglement der Gemeinde Zermatt. Artikel 43 verbietet Campieren auf öffentlichem Boden in der ganzen Gemeinde, und er deckt die Bergseen ausdrücklich ab1. Die Definition ist bewusst weit gefasst: Schon das kurze Verweilen in einem Zelt, Wohnmobil oder ähnlichem Aufbau, oder einfach das Aufstellen, gilt als Campieren. Der Riffelsee liegt auf öffentlichem Boden, und es gibt keine schriftliche Einwilligung der Burgergemeinde Zermatt als Grundeigentümerin, also ist jedes Zelt dort unrechtmässig.

Die Schweiz hat kein einheitliches Bundesgesetz zum Campieren, und der Schweizer Alpen-Club toleriert ein rücksichtsvolles Biwak von einer Nacht oberhalb der Waldgrenze, aber nur dort, wo keine lokale Regel dagegensteht8. Am Riffelsee steht eine lokale Regel dagegen, und die lokale Regel gewinnt. Das Toleranz-Argument zieht hier nicht.

Warum der See geschützt ist

Der Riffelsee ist ein ausgewiesenes Naturschutzgebiet. Innerhalb des Gebiets sind neben dem Campieren auch das Baden im See und das Entfachen von Feuern verboten2. Das Gebiet ist zudem Teil des Objekts 1707 «Dent Blanche, Matterhorn, Monte Rosa» des Bundesinventars der Landschaften und Naturdenkmäler (BLN), das die Behörden verpflichtet, die hochalpine Landschaft und ihre empfindliche Flora intakt zu halten.

Direkt bei der Station Rotenboden liegt der höchste Alpengarten Europas, mit über hundert geschützten Pflanzenarten. Schon kleine Trittschäden können ihr Nachwachsen über Jahre verhindern, weshalb auch das Verlassen der markierten Wege nicht erlaubt ist3.

Die Busse, und die Rechnung dahinter

Die Kontrollen sind real. Die Regionalpolizei Zermatt patrouilliert zusammen mit lokalen Wildhütern und Rangern das Rotenboden-Plateau, um illegale Camper zu erwischen. Für ein unbewilligtes Zelt beträgt die Standardbusse CHF 200 pro Zelt4. Zermatt stellt inzwischen digitale Bussen mit QR-Code aus, und der Fall wird an das zuständige Polizeigericht weitergeleitet5.

Die Busse ist nicht der teure Teil. Wie es die Zermatter Ranger sagen, ist der Betrag nicht immer gleich hoch, weil in gewissen Fällen die Einsatzkosten der Polizei dazukommen, also reicht er von mehreren hundert bis zu mehreren Tausend Franken. Der Grund ist die Logistik. Der Riffelsee hat nachts und am frühen Morgen keinen Zug, ein gemeldetes Lager wird darum oft per Helikopter kontrolliert und geräumt, und Zermatt überwälzt die vollen Flug- und Einsatzkosten auf den Verursacher4.

Sommer 2026: Der Campingplatz ist geschlossen

Eine Sache ist spezifisch für 2026. Nach einer Neubeurteilung des Steinschlagrisikos hat die Gemeinde eine vorsorgliche Schliessung des einzigen offiziellen Campingplatzes am Dorfrand angeordnet, und er bleibt die ganze Saison Sommer 2026 geschlossen6. In einer offiziellen Medienmitteilung hat die Gemeinde klar festgehalten, dass die Schliessung Wildcampen nicht toleriert macht, und dass die Kontrollen an den Bergseen unverändert weitergehen. Es ist also kein Schlupfloch. Wenn überhaupt, rechne mit mehr Augen an den Seen, nicht mit weniger.

Die eine Ausnahme: ein echter Notfall

Es gibt eine echte rechtliche Ausnahme, und sie ist eng. Ein echtes, ungeplantes Notbiwak, dir aufgezwungen durch etwas, das du nicht vorhersehen konntest, wie eine Verletzung, einen plötzlichen Sturm oder Steinschlag im Abstieg, ist überall in den Alpen erlaubt, auch in Naturschutzgebieten, und wird nie gebüsst7. Was nicht zählt, ist schlechte Planung. Die Wanderung zu unterschätzen, die Stirnlampe zu vergessen oder absichtlich draussen zu bleiben, um zum Sonnenaufgang am See zu sein, wird als geplantes und damit illegales Biwak behandelt.

Du kannst den Riffelsee trotzdem im besten Licht fotografieren, ohne Zelt. Drei Wege:

Am Gornergrat übernachten

Das Kulmhotel Gornergrat und das Riffelhaus 1853 sind nur einen kurzen Fussweg vom See entfernt, du stehst also mit einem echten Bett im Rücken zum Morgen- oder Abendlicht am Ufer.

SAC-Hütten im Mattertal

Rund um das Tal gibt es mehrere SAC-Hütten. Schau im SAC-Hüttenverzeichnis, was offen ist und was zu deiner Route passt.

Die frühen und späten Züge

Die Gornergrat Bahn fährt spezielle Sonnenaufgangs-Abfahrten und ein vergünstigtes Nachmittagsticket ab 15:30, die die Lücke zwischen dem normalen Fahrplan und dem guten Licht schliessen, ohne dass du am Boden gegen die Regeln verstösst3. Zu Fuss aus dem Tal hochzulaufen ist langsam, lässt dich aber vor dem ersten Zug am Ufer sein.

Offizielle Quellen. Artikel 43 des Zermatter Polizeireglements (2022) auf gemeinde.zermatt.ch, die Medienmitteilung der Gemeinde zur Campingplatz-Schliessung 2026, die Verhaltensregeln von Zermatt auf zermatt.swiss, das SAC-Merkblatt auf sac-cas.ch und die BAFU-Karte der Schutzgebiete auf map.geo.admin.ch.

Wenn du wegen des Fotos hier bist, der Spot-Guide hat das Wie und das Wann: Riffelsee, so erwischst du die Matterhorn-Spiegelung bei Sonnenaufgang. Und der Riffelsee ist einer von 141 Spots im Swiss Gems Guide, jeder mit seiner Anreise, dem besten Licht und einem Wildcamping-Status, damit du vor dem Losgehen weisst, ob eine Nacht draussen drinliegt. Dort liegen sie alle.

Swiss Gems · 141 Spots in der Schweiz

Anreise, bestes Licht und Wildcamping-Status pro Spot. Einmalig CHF 27, kostenlose Updates.

Hol dir den Guide

Häufige Fragen

Ist Wildcampen am Riffelsee erlaubt?
Nein. Artikel 43 des Zermatter Polizeireglements verbietet Campieren auf allem öffentlichen Boden in der Gemeinde, die Bergseen eingeschlossen, und das deckt schon das blosse Aufstellen eines Zelts am Riffelsee ab. Der See ist zudem ein Naturschutzgebiet. Die einzige Ausnahme ist ein echtes Notbiwak.
Wie hoch ist die Busse fürs Campieren am Riffelsee?
Sie ist kein fixer Betrag. Die Grundbusse für ein Zelt auf öffentlichem Boden beträgt CHF 200, aber in gewissen Fällen kommen die Einsatzkosten der Polizei obendrauf, also sagen die Zermatter Ranger, du sollst mit allem von mehreren hundert bis zu mehreren Tausend Franken rechnen. Das obere Ende entsteht, wenn nächtliche Kontrollen am See per Helikopter erfolgen und die Flug- und Einsatzkosten dem Erwischten überwälzt werden.
Darf man am Riffelsee biwakieren, um den Sonnenaufgang zu fotografieren?
Nein. Ein geplantes Biwak, um zum Sonnenaufgang dort zu sein, gilt als illegales Campieren. Nur ein echtes, ungeplantes Notbiwak, erzwungen durch eine Verletzung oder plötzliche Gefahr, ist erlaubt und wird nie gebüsst. Um das Morgenlicht legal zu fotografieren, schlaf in einem Hotel am Gornergrat oder nimm die Sonnenaufgangstickets der Gornergrat Bahn.
Wo kann man in der Nähe des Riffelsees legal schlafen?
Das Kulmhotel Gornergrat und das Riffelhaus 1853 sind nur einen kurzen Fussweg vom See entfernt, und rund um das Mattertal gibt es SAC-Hütten. Die Gornergrat Bahn fährt zudem Sonnenaufgangs- und Nachmittagstickets, damit du zum guten Licht dort sein kannst, ohne zu übernachten. Der Campingplatz in Zermatt ist für den Sommer 2026 geschlossen.
Ist der Campingplatz Zermatt 2026 offen?
Nein. Der einzige offizielle Campingplatz in Zermatt ist nach einer Steinschlag-Neubeurteilung die ganze Saison Sommer 2026 geschlossen. Die Gemeinde hat festgehalten, dass die Schliessung Wildcampen nicht toleriert macht, und die Kontrollen an den Bergseen gehen weiter.
Leon Helg

Leon Helg

Schweizer Filmemacher und Software-Entwickler. Seit 26 Jahren in der Schweiz, verbringt seine freie Zeit in den Schweizer Alpen und kartiert seine Lieblingsspots für Hikebeast. Postet als @leon.helg auf Instagram und TikTok.

Quellen

  1. Gemeinde Zermatt, Polizeireglement vom 26. Januar 2022, Artikel 43: Campieren auf öffentlichem Boden ist verboten, auch an den Bergseen. gemeinde.zermatt.ch.
  2. Riffelsee, 2.757 m oberhalb von Zermatt bei Rotenboden, ein Naturschutzgebiet innerhalb des BLN-Objekts 1707 «Dent Blanche, Matterhorn, Monte Rosa». valais.ch.
  3. Gornergrat Bahn: der Riffelsee, der höchste Alpengarten Europas bei Rotenboden, und die Sonnenaufgangs- und Nachmittagstickets. gornergrat.ch.
  4. Praxis der Regionalpolizei in den Walliser Alpen: eine Standardbusse von CHF 200 pro Zelt und Helikopter-Einsatzkosten, die auf die Fehlbaren überwälzt werden. 1815.ch; regionalpolizei-leuk-leukerbad.ch.
  5. Zermatt führt digitale Bussen mit QR-Code ein, die an das Polizeigericht weitergeleitet werden. nau.ch.
  6. Gemeinde Zermatt, Medienmitteilung: Der Campingplatz Zermatt bleibt nach einer Steinschlag-Neubeurteilung für die Saison Sommer 2026 geschlossen; die Schliessung macht Wildcampen nicht toleriert. gemeinde.zermatt.ch.
  7. Die rechtliche Unterscheidung zwischen einem verbotenen geplanten Biwak und einem erlaubten, bussfreien Notbiwak. regionalpolizei-leuk-leukerbad.ch; cipra.org.
  8. Schweizer Alpen-Club, Merkblatt «Campieren und Biwakieren in den Alpen»: ein einzelnes rücksichtsvolles Biwak oberhalb der Waldgrenze ist nur dort toleriert, wo keine lokale Regel dagegensteht. sac-cas.ch.