Wildcampen im Tessin
In den meisten Kantonen bleibt die Biwakfrage dem Schweigen überlassen, dem Brauch oder dem, was die Gemeinde gerade aufgeschrieben hat. Das Tessin hat Camping in einem Gesetz verboten und die Ausnahme gleich in den nächsten Absatz gestellt.
Ein Biwak für eine Nacht im Gebirge ist im Tessin ausdrücklich erlaubt. Art. 2 Abs. 1 der Legge sui campeggi vom 26. Januar 2004 lässt Camping nur in bewilligten Campingzonen zu. Art. 2 Abs. 2 nimmt davon l'attendamento a scopo di bivacco in montagna aus, also das Zelten zum Zweck eines Biwaks im Gebirge.1
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Was im Gesetz steht
Die Legge sui campeggi ist am 1. Juni 2004 in Kraft getreten und liest sich bis heute gleich. Art. 2 Abs. 1: "È possibile campeggiare unicamente nelle aree autorizzate destinate a campeggio." Campieren darfst du nur in bewilligten Campingzonen. Für sich genommen ist das ein hartes kantonales Verbot, strenger als der Schweizer Normalfall.
Dann kommt Abs. 2: "Fa eccezione al principio di cui al cpv. 1 l'attendamento a scopo di bivacco in montagna." Eine Ausnahme von diesem Grundsatz ist das Zelten zum Zweck eines Biwaks im Gebirge.
Mehr braucht es nicht. Keine Bewilligung, keine Zustimmung, keine Gebühr. In den meisten Kantonen argumentierst du aus dem Fehlen eines Verbots heraus, und das ist die schwächere Position. Im Tessin zeigst du auf einen Satz.
Wo die Ausnahme aufhört
Zwei Wörter tragen das Gewicht: bivacco und montagna. Ein Biwak, im Gebirge. Die Ausnahme hängt an einem Zweck und an einem Ort, nicht an einer Person und nicht an der Ausrüstung.
Ein Zelt ist damit in Ordnung. Das Wort im Gesetz ist attendamento, von tenda, also das Aufstellen eines Zelts. Das Tessin hat die Ausnahme nicht auf das Schlafen ohne Zelt beschränkt. Beschränkt hat es alles, was aufhört, nach einem Biwak auszusehen: der Platz neben dem Auto, die zweite und dritte Nacht am selben Fleck, ein Gruppenlager, ein Zelt, das den Tag über stehen bleibt.
Wer aus der Ausnahme fällt, ist wieder in Art. 2 Abs. 1, und dort kann das Municipio nach Art. 27 zwischen CHF 50 und CHF 10'000 büssen. Die Spanne ist so weit, weil sie von der unbedachten Nacht bis zum gewerblichen Betrieb alles abdecken muss. Das untere Ende ist trotzdem echtes Geld für ein Zelt, das zu lange stand.
Was der Bund trotzdem dazulegt
Ein kantonales Ja schaltet den Bundesschutz nicht ab, und das Tessin hat dieselben Schichten wie alle anderen. Eidgenössische Jagdbanngebiete und Wildruhezonen bringen eigene Campingverbote mit, und die werden unabhängig vom kantonalen Recht gebüsst, mit CHF 150.23 Prüf den Punkt, nicht den Kanton.
Eine Schicht klingt schlimmer, als sie ist: ein BLN-Objekt. Nach dem Natur- und Heimatschutzgesetz bindet ein Inventareintrag die Behörden bei der Erfüllung einer Bundesaufgabe. Für jemanden, der zu Fuss unterwegs ist, schafft er keinen Campingtatbestand.4 Etliche der schönsten Gebiete im Tessin liegen in einem BLN-Objekt, und das allein hält dich nicht auf.
Die Gemeinde hat das letzte Wort
Eine Tessiner Gemeinde kann ihren eigenen Boden weiterhin regeln, und manche tun das. Was sie nicht kann, ist eine Ausnahme still aushebeln, die das kantonale Gesetz gewährt. Dafür bräuchte sie eine eigene gesetzliche Grundlage.
Praktisch zählt das vor allem unten in den Tälern und an Seen mit Tourismusdruck, und am wenigsten dort, wo du tatsächlich hingehst: hoch, zu Fuss, über der Waldgrenze. Im Zweifel ist die Gemeinde die richtige Adresse, und eine Mail kostet nichts.
Ein durchgerechnetes Beispiel
Das Tessin ist der jüngste Kanton in unserem Bestand, deshalb steht hier ein Spot und nicht ein Dutzend. Die Begründung dazu ist die Begründung für den ganzen Kanton.
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Lago di LeitLegal
2'260 m in der Campolungo-Gruppe über der Leventina, deutlich über der Waldgrenze und zu Fuss erreichbar. Die Gemeinde Quinto veröffentlicht dreizehn Regolamenti und vierundzwanzig Ordinanze, und keines davon regelt Camping. Wenn bivacco in montagna etwas heisst, dann hier.
Ein anderer Ort im Tessin?
Gib ihn in den Wildcamping Check ein. Ist er schon recherchiert, bekommst du den Bericht sofort, sonst geht er in die Warteschlange. Die kantonale Antwort oben gilt so oder so. Was sich von Tal zu Tal ändert, ist die Gemeinde und die Bundesschicht.
Ist Wildcampen im Tessin erlaubt?
Was kostet eine Busse im Tessin?
Brauche ich eine Bewilligung oder die Zustimmung des Grundeigentümers?
Gilt die Ausnahme auch für ein Zelt?
Quellen
- Canton Ticino, Legge sui campeggi of 26 January 2004, in Kraft seit 1. Juni 2004, konsolidierte Fassung per 1. Januar 2024, letzte Änderung 18. September 2023. Art. 2 Abs. 1: "È possibile campeggiare unicamente nelle aree autorizzate destinate a campeggio." Art. 2 Abs. 2: "Fa eccezione al principio di cui al cpv. 1 l'attendamento a scopo di bivacco in montagna." Art. 27: Verstösse werden vom Municipio mit einer Busse von CHF 50 bis CHF 10'000 geahndet. Am 3. August 2026 in der kantonalen Gesetzessammlung gelesen. m3.ti.ch. ↩
- Verordnung über die eidgenössischen Jagdbanngebiete (VEJ, SR 922.31), Art. 5 Abs. 1 lit. e: "Das freie Zelten und Campieren ist verboten. Vorbehalten bleibt die Benutzung offizieller Zeltplätze. Die Kantone können Ausnahmen bewilligen." Das Verbot ist eidgenössisch, eine kantonale Ausnahme wie die Tessiner hebt es im Banngebiet also nicht auf. fedlex.admin.ch. ↩
- Ordnungsbussenverordnung (OBV), Anhang 2, Ziff. 12005: "Freies Zelten oder Campieren in eidgenössischen Jagdbanngebieten (Art. 18 Abs. 1 Bst. e und Abs. 3 JSG, Art. 5 Abs. 1 Bst. e VEJ)", CHF 150. Ziff. 12003 erfasst Wildruhezonen zum gleichen Betrag. fedlex.admin.ch. ↩
- Bundesgesetz über den Natur- und Heimatschutz (NHG, SR 451), Art. 5 and 6: Ein Inventareintrag wie BLN bindet die Behörden bei der Erfüllung einer Bundesaufgabe. Für eine private Person zu Fuss schafft er keinen Campingtatbestand. fedlex.admin.ch. ↩
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